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Conference "Unbegreifliche Zeiten: Wunder im 20. Jahrhundert"

  • 2009-03-18
  • 2009-03-19
  • Essen, Germany
Unbegreifliche Zeiten. Wunder im 20. Jahrhundert Essen, 18. bis 21. März 2009 Internationale Konferenz in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI), der Gerda Henkel Stiftung und dem Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T) Organisation: Alexander C.T. Geppert und Till Kössler Auf den ersten Blick scheinen Wunder nicht mehr in das 20. Jahrhundert zu passen. Als Folge der viel zitierten 'Entzauberung' sind die überkommenen Wunderwelten aufgrund einer nie zuvor gesehenen Proliferation von Wissen und der Einbeziehung selbst entlegener Gebiete in immer dichter werdende Kommunikationsnetze vermeintlich an den Rand gedrängt worden. Und doch verwundert der anhaltende Gebrauch des Begriffs in höchst unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten: Vom "Wunder von Bern" bis zum "Wirtschaftswunder", von "Wunderwaffen" bis zu "Wunderheilungen", von "Wundern der Technik" bis zu "wonder bras": Wunder sind aus der Moderne nicht wegzudenken. Ganz offenkundig stellt die Zuschreibung eines 'Wunders' noch immer eine zentrale Form der Verarbeitung und Aneignung ungewöhnlicher Ereignisse und außeralltäglicher Erfahrungen dar. Die Konferenz beruht auf der Annahme, dass die Beschäftigung mit Wundern neue Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts erschließt. Der Begriff des Wunders erlaubt es, das Exzeptionelle in modernen Gesellschaften, ihre soziale Konstituierung, Normalitätsannahmen und Wissensgrenzen zu thematisieren. Die Tagung beabsichtigt, den in dem Begriff kristallisierten Ereignissen, Wahrnehmungen und Praktiken nachzuspüren. Dabei gilt es, einerseits vom deutlichen Innovationsvorsprung der Forschungen zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wunderwelten zu profitieren, andererseits den Fortgang kontroverser Debatten um die Wiederverzauberung der Welt, die Epistemologie des Übersinnlichen und die Geschichte westlicher Esoterik im 19. Jahrhundert in der Zeitgeschichte zu verfolgen. Zugleich knüpft die Konferenz an das aktuelle historische Interesse an Transformationen des Religiösen an, geht dabei über das Feld der Religionsgeschichte im engeren Sinne jedoch hinaus. Schon im Mittelalter waren Wunder keineswegs auf den Bereich des Religiösen (miracula) beschränkt, sondern umfassten ebenfalls Natur- und weltliche Wunder (prodigia bzw. mirabilia). Entsprechend steht nicht die Frage nach einer vermeintlichen Profanisierung des Wunders, sondern der Umgang mit wunderhaften Begebenheiten innerhalb der zugleich religiösen und säkularisierten Denk- und Wissenssysteme des 20. Jahrhunderts im Zentrum. Die Tagung findet von Mittwoch, 18. März, bis Samstag, 21. März 2009, in Essen statt (Bildungshotel im Bfz, Karolingerstraße 92, D-45141 Essen, "Raum Nixdorf"). Sie wird von Alexander C.T. Geppert (Cambridge/Berlin) und Till Kössler (München) geleitet und in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI), der Gerda Henkel Stiftung und dem Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T) veranstaltet. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählen Martin Baumeister (München), Eberhard Bauer (Freiburg i.Br.), Friedrich Jaeger (Essen), Benjamin Lazier (Portland), Claus Leggewie (Essen), Alf Lüdtke (Erfurt), Paul Nolte (Berlin), Diethard Sawicki (Paderborn), Uwe Schellinger (Freiburg i.Br.), Gabriela Signori (Konstanz) und Helmut Zander (Berlin). ––––––––––– PROGRAMM Mittwoch, 18. März 2009 18.00 | Begrüßung Claus Leggewie (Essen) 18.15-19.00 | Öffentlicher Abendvortrag Gabriela Signori (Konstanz): Orts-Wechsel. Theorie und Praxis des Wunders von der Antike bis ins 20. Jahrhundert Donnerstag, 19. März 2009 9.00-9.30 | Einführung Alexander C.T. Geppert/Till Kössler: Wunder der Zeitgeschichte. Transzendenz und die Grenzen des Wissens im 20. Jahrhundert 9.30-11.00 | Sektion I: Moderne Wunder Falko Schmieder (Berlin): Unfassliches Produzieren. Zur politischen Epistemologie des Wunderbegriffs in der Moderne Eberhard Bauer (Freiburg i.Br.): "Alltägliche Wunder"? Diskurse um das Paranormale im 20. Jahrhundert Friedrich Jaeger (Essen): Kommentar 11.30-13.00 | Sektion II: Religionswunder Helmut Zander (Berlin): Marianische Séancen. Wunderbare Marienerscheinungen im 20. Jahrhundert im Rahmen einer Geschichte der religiösen Ästhetik Bernadett Bigalke (Erfurt): "Wunder" im alternativreligiösen Milieu Leipzigs um 1900 Nils Freytag (München): Kommentar 15.00-16.30 | Sektion III: Naturwunder Natascha Adamowsky (Berlin): Wunder des Meeres. Kultur- und medienästhetische Überlegungen zur Repräsentation des Inkommensurablen Eva Johach (Berlin): Wunder des Instinktes. Zur Kollektivpsychologie von Insektengesellschaften im frühen 20. Jahrhundert Uffa Jensen (Berlin): Kommentar 17.00-18.30 | Sektion IV: Medienwunder Alexander Gall (München): Wunder, Sensation und Katastrophe. Zur Vermittlung von Wissenschaft und Technik in der illustrierten Massenpresse um 1900 Tobias Becker (Berlin): "Masks, Mimes and Miracles." Karl Vollmöllers "Das Mirakel" in der Inszenierung von Max Reinhardt Alexa Geisthövel (Berlin): Kommentar Freitag, 20. März 2009 9.00-10.30 | Sektion V: Wunderwirker Susanne Michl (Berlin): Der Arzt als Wunderheiler. Heilkonzepte in der Medizin in Deutschland und Frankreich, 1900-1920 Diethard Sawicki (Paderborn): Leben schaffen, Regen machen, UFOs jagen. Wilhelm Reichs wundersame Experimente Alf Lüdtke (Erfurt): Kommentar 11.00-12.30 | Sektion VI: Politische Wunder Benjamin Lazier (Portland): Wunder in Weimar. Miracles and the Crisis of Liberalism Between the World Wars Sonja Lührmann (Ann Arbor): Wunder ohne Wunder. Die Säkularisierung des Staunens in der sowjetischen Atheismuspropaganda Moritz Föllmer (Leeds): Kommentar 14.30-16.00 | Sektion VII: Nachkriegswunder Rajah Scheepers (Hannover): Persistenz des Wunderbaren. Die Rede vom Wunder in einer protestantischen Institution zwischen 1921 und 1972 Günter Riederer (Marbach): "Hier in Wolfsburg kann man das Wunder sehen." Volkswagen und das deutsche Wirtschafswunder im Industriefilm der 1950er und 1960er Jahre Paul Nolte (Berlin): Kommentar 16.30-18.00 | Sektion VIII: Neue Wunder Uwe Schellinger (Freiburg i.Br.): Kaum zu fassen. Die spezifische Problematik der historischen Überlieferung paranormaler Erfahrungen Markus Hero (Bochum): Wunderglaube und neue Religiosität. Ein institutionentheoretischer Vergleich von Charismatischer Bewegung und Esoterikangeboten Pascal Eitler (Berlin): Kommentar Samstag, 21. März 2009 9.30-11.00 | Sektion IX: Virtuelle Wunderwelten Hendrik Pletz (Köln): Die Entzauberung des Phantastischen. Der pädagogische Videodiskurs der 1980er Jahre Christian Hoffstadt (Karlsruhe): Auferstehung und Zaubertechnik. Zur Verknüpfung von Magie, Glaube und Technik in der "World of Warcraft" Nina Verheyen (Berlin): Kommentar 11.00-12.00 | Schlusskommentar Martin Baumeister (München) 12.00 | Tagungsende ––––––––––– KONTAKT Zusätzliche Teilnahme nach Anmeldung per e-Mail bei den Veranstaltern begrenzt möglich. Alexander C.T. Geppert Harvard University/Freie Universität Berlin geppert@fas.harvard.edu Till Kössler Ludwigs-Maximilians-Universität München till.koessler@lmu.de Bei technischen Fragen zuständig im KWI: Maria Klauwer maria.klauwer@kwi-nrw.de +49 (201) 7204-153 ––––––––––– VERANSTALTUNGSORT Bildungshotel im Bfz "Raum Nixdorf" Karolingerstraße 92 D-45141 Essen

www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltung-191.html

http://www.bildungshotel-essen.de/anfahrt.htm


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